Bevor mein geliebtes Rennrad vor rund drei Wochen am Bahnhof in Bremerhaven-Lehe gestohlen wurde (ich berichtete darüber auf Twitter und Facebook), bin ich fast täglich mit dem Rad durch Bremerhaven gependelt und habe dabei immer eine für mich sehr angenehm zu fahrende, verkehrsruhige Route genommen, möglichst immer asphaltiert ohne größere Schlaglöcher oder weitere mittelschwere Katastrophen.

Ich sehe mich als Radfahrer aber nicht in der Pflicht, große Umwege in Kauf zu nehmen, nur, weil die Städte, Gemeinden, Landkreise und Länder nicht genügend Resourcen in unsere Verkehrsinfrastruktur investieren.

Potential der Leher Landstraße wird verkorkst

Wie mir die Stadt Geestland am 26. Mai diesen Jahres auf Twitter mitteilte, sind Bauarbeiten an der Leher Landstraße geplant. Zwischen dem Rathaus Langen bzw. Langen Mitte und den Bahngleisen, welche die Straße queren, soll der Gehweg auf der westlich liegenden Seite in drei Teilabschnitten saniert werden. Darüber hat Nord24.de am 5. November ebenfalls berichtet.

https://twitter.com/StadtGeestland/status/1000414271476568064

Es ist aber nicht nur der Gehweg auf West- und Ostseite, der auch gleichzeitig den Radweg darstellt, eine absolute Huckelpiste, sondern auch die Fahrbahn selbst. Anstatt also die gesamte Straße zu sanieren, wird zunächst nur der Bürgersteig auf der westlichen Seite saniert.

Der westliche Gehweg auf diesem Streckenabschnitt der Leher Landstraße im Stadtteil Langen soll saniert werden.

Dabei wäre bei einer gänzlichen Sanierung möglicherweise genug Platz für Schutzstreifen oder zusätzliche Radwege auf bereits asphaltierten Straßen am Stadtrand (darüber berichte ich demnächst).

Auf Nachfrage bezüglich möglichen Plänen zum Ausbau des Radweges teilte mir die Stadt Geestland auf Twitter mit:

https://twitter.com/StadtGeestland/status/1001118547421155329

Wir sprechen also von einer horrenden Summe von 200.000 Euro begrenzter finanzieller Mittel, die “Mal eben” sinnlos aus dem Fenster geworfen wird und weder die Verkehrssituation, noch das Stadtbild nachhaltig und positiv verbessern kann und wird. Laut Aussage der Stadt Geestland gehören die Fahrbahn und die östlich gelegene Seite des Gehwegs dem Land Niedersachsen.

Am 6. November hat die NORDSEE-ZEITUNG über die geplanten Arbeiten berichtet, die Zeitungsausgabe ist aber zwischenzeitlich im Altpapier gelandet. Die Redaktion hat mir zwischenzeitlich eine Kopie zukommen lassen.

Schutzstreifen auf der Hafenstraße ist kein Schutzstreifen

Der Schutzstreifen auf der Hafenstraße wird von Autofahrern eher als eine Art Möglichkeit zum Parken in zweiter Reihe gesehen. So ist der Schutzstreifen weder mit einer Warnfarbe gekennzeichnet, noch sind die klassischen Fahrrad-Abbildungen auf dem Asphalt zu finden. 

Das führt unter anderem auch dazu, dass Autofahrer unachtsam ihre Türen aufreißen, so dass ich selbst schon in mehrere beinahe-Dooring-Unfälle verwickelt wurde. Dazu kommen zwei Seitenspiegel von auf dem Schutzstreifen parkenden PKW.

Ein Hermes-Bote parkt mit einem gemieten Lieferwagen auf dem Schutzstreifen in der Hafenstraße in Bremerhaven. Ich habe diese Verkehrsordnungswidrigkeit beim Ordnungsamt Bremerhaven angezeigt.

Am liebsten parken dort übrigens die Paketboten von DHL, Hermes und so weiter - wobei es auch hier einige Ausnahmen gibt und ich oft beobachten kann, dass die Boten lange Fußwege in Kauf nehmen, um das Parken in zweiter Reihe zu vermeiden (vielleicht sind sie selbst Radfahrer?).

Pendeln mit dem Rennrad ist eine wahre Herausforderung

Absolut jeder in Bremerhaven wohnende Rennrad-Hobbyist wird nachvollziehen können, dass die Bremerhavener Straßen sowie die der angrenzenden Ortschaften eine bauliche Vollkatastophe sind. So drücken Baumwurzeln die Gehwegplatten an der Stresemannstraße und diversen anderen Straßen heraus, (Baustellen-)Schilder werden mittem auf dem Radweg plaziert (weil Radfahrer einem Hindernis natürlich besser ausweichen können als Fußgänger) und jeder irgendwie ausgewiesene Fahrradweg ist auch sowieso gepflastert und nicht asphaltiert.

Radfahrer werden in Bremerhaven auf den Straßen von Autofahrern fast gar nicht toleriert und mit viel zu wenig Abstand gefährlich überholt. Der gesetzlich geforderte Mindestabstand beträgt 1,50 Meter, wenn ein Kind (mit) auf dem Fahrrad sitzt sogar mindestens 2 Meter. Er wird im Regelfall nicht eingehalten, so dass ein Ausweichen auf die Fahrbahn im Regelfall sehr gefährlich ist und die Umwege über Seitenstraßen die einzige Möglichkeit sind, um den Gefahren zu umgehen.

Erste Stellungnahme der Stadt Bremerhaven fällt mager aus

Anlass für diesen Beitrag ist die erste Antwort, die ich nach dutzenden, hasserfüllten Tweets von der Stadt Bremerhaven erhalten habe.

https://twitter.com/bremerhaven_de/status/1069506660413124608

Ich entnehme aus dieser Antwort, dass die Situation sehr wohl bekannt ist und ich gekonnt über Jahre (!!) hinweg ignoriert wurde. 

Ich habe nunmehr diesen Blogbeitrag an die Pressestelle der Stadt Bremerhaven weitergeleitet und erwarte gespannt eine ernstzunehmende, zielführende Reaktion ihrerseits.

Mein Tipp: Verkehrsordnungswidrigkeiten per App selbst zur Anzeige bringen

Bei meinen Recherchen bin ich durch den Twitter-Nutzer @flobg19 auf die App Wegeheld hingewiesen worden, die ich in der Vergangenheit bereits wiederholt genutzt habe. Sie ermöglicht das einfache Erfassen aller benötigten Daten, generiert eine fertige Anzeige und leitet diese bei Bedarf direkt an die für eure Stadt zuständige Behörde weiter - einfacher geht’s nicht. Halten in zweiter Reihe kostet mindestens 15 Euro, das 
Parken auf Rad- oder Gehwegen sogar 20 Euro.

Wegeheld App herunterladen: Google PlayStore oder Apple AppStore

Trotzdem bin ich mir sicher, dass nur vereinzelt Autofahrer damit sensibilisiert werden können. Die meisten Probleme werden von der Stadt und ihrer mangelhaften Infrastruktur selbst provoziert.